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7.03.2005:
Dioxin-Eier

von BARBARA RÜTTING
Anläßlich der Grünen Woche brachte der Chiemgauer unter dem Titel „Ein bayrisches Kraftpaket namens Brasil“ ein Foto von Minister Miller und dem „lammfromen“ Bullen Brasil. Warum wohl läßt sich ein 30 Zentner-Bulle Brasil so „lammfromm“ von Staatminister Miller durch die Grüne Woche ziehen, am Nasenring und mit Eisenstange?
Weil seine Schmerzen in den empfindlichen Nüstern vermutlich höllisch sind.
Natürlich freue ich mich immer, wenn OVB bzw. der Chiemgauer sich der vielfältigen Tierschutzprobleme annehmen. So hieß es zum Beispiel, die Tierschützer machten sich Sorgen wegen des islamischen Opferfestes mit dem damit einhergehenden bestialischen Schächten von Schafen. Andererseits werden Tierschützer – besonders wenn sie dazu noch Vegetarier sind – auch gern als Fanatiker gebrandmarkt, die Hennen aus Legebatterien befreien wollen, obwohl Freilandeier angeblich stärker mit Dioxin belastet sind als Käfigeier.
Wie einseitig und irreführend die Berichterstattung der Medien zu diesen Themen oft ist, läßt sich an diesem Beispiel belegen. Verschwiegen wurde nämlich, dass das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit bei Käfigeiern sogar eine größere Belastung festgestellt hat. Demnach waren Eier aus Käfighaltung zu 9,1, Freilandeier zu 8,6 und Eier aus Bodenhaltung zu 4,4 Prozent über dem Grenzwert von 3 pg/g Fett belastet. Bio-Eier lagen hingegen nicht darüber.
Die Haltung von Legehennen in Käfigen wurde vom Bundesverfassungsgericht 1999 als tierquälerisch verworfen und 2001 von Bundesministerin Renate Künast ab 2007 verboten. Dem stimmte auch die Bayrische Staatsregierung zu. Nun aber will sie dieses Verbot gemeinsam mit den anderen unionsgeführten Ländern zu Fall bringen und fordert so genannte Kleinvolieren – nichts anderes als geringfügig vergrößerte Käfige.
Tatsache ist: Die von BILD und der Käfig-Lobby in die Welt gesetzte Behauptung, Freilandeier seien grundsätzlich stärker mit Dioxin belastet als Käfigeier – und dies gerade kurz vor Beginn der Grünen Woche und nachdem Renate Künast gegenüber dem Bundesrat standhaft am Verbot der Käfighaltung festhielt – ist eine sehr durchsichtige Kampagne der Eierindustrie. Sie will ihre Interessen durchsetzen – nur ihre, nicht, wie behauptet, die unserer Bauern und VerbraucherInnen.
Auch Umweltminister Dr. Schnappauf sagt es doch: Nicht die Hühner müssen zurück in die Käfige, sondern das Dioxin heraus aus den Böden!
Mein Appell an uns alle: Lieber ein Ei weniger essen und dies von einem freilaufenden glücklichen Huhn, ein Stück Fleisch weniger, und dies von einem artgerecht gehaltenen Schwein oder Rind, und dafür unseren Bauern mehr bezahlen. Klasse statt Masse! Damit ist allen gedient: Den Verbrauchern, den Bauern und den Tieren!
Ob es um Tiertransporte geht, um die Haltung von Masthähnchen, Puten, Enten, Mastkaninchen, um Pelztiere, die Qualen der Versuchstiere – auf allen Gebieten ist Aufklärung und vor allem Verbesserung dringend nötig, und dafür brauchen die Tiere die Hilfe der Medien.
Übrigens: Mein Abgeordneten-Mandat im Bayrischen Landtag verdanke ich überwiegend dem Votum bayrischer TierschützerInnen, die nicht nur unzufrieden sind, sondern oft verzweifeln, weil im Tierschutz anscheinend „nichts weiter geht“. Eine Wählerin schrieb mir: „Millionen Tiere werden aufatmen, weil du jetzt im Landtag sitzt.“ Eine Erwartungshaltung, die ich – besonders angesichts der 2/3 Mehrheit CSU – nicht im entferntesten erfüllen kann.
Dennoch: Da ich mich immer bemühe, parteiübergreifend zu arbeiten, weil es mir in erster Linie um Inhalte und erst danach um die Partei geht, gibt es immerhin kleine Erfolge. So war ich glücklich, dass am 3. Februar im Ausschuss für Umwelt- und Verbraucherschutz alle drei von unserer Fraktion eingebrachten Anträge – zur generellen Dioxinbelastung, zu strengeren Tierschutzkontrollen in der Intensivgeflügelzucht und die Forderung nach rauchfreien Schulen – auch von den Fraktionen der CSU und der SPD einstimmig angenommen wurden.
Zur Erinnerung: Tierschutz und Menschenschutz sind untrennbar! Was immer den Tieren geschieht, geschieht bald auch den Menschen. (Alter Indianerspruch)
Barbara Rütting
Abgeordnete
(Bündnis 90/Die Grünen)
Bayrisches Landtag
Barbara.ruetting@bayern.landtag.de
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