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  Aktuelles rund um Gesundheit:

1.06.2006: Gentechnik - Offener Brief an Minister Seehofer

von RICHARD FUCHS


Offener Brief vom 01. Juni 2006

Unser Schreiben zur geplanten Novellierung des Gentechnik-Gesetzes
Ihr Schreiben vom 10. April 2006, unterzeichnet von Wolfgang Koehler

Sehr geehrter Herr Minister Seehofer,

im Besitz Ihres ausführlichen Schreibens, für das wir uns bedanken, sieht sich die Gesellschaft für Gesundheitsberatung (GGB) ihren Mitgliedern sowie einer breiten Öffentlichkeit gegenüber verpflichtet, wesentliche Sachverhalte Ihrer Ausführungen richtig zu stellen. Vorausschicken möchten wir, dass sich der von dem Arzt Dr. Max Otto Bruker 1978 gegründete unabhängige gemeinnützige Verein GGB der Aufklärung über Gesundheitsfragen, speziell auch über ernährungsbedingte Zivilisationskrankheiten, verpflichtet fühlt und damit einen wichtigen Beitrag zur Kostensenkung im Gesundheitswesen leistet. Schließlich gehen laut statistischem Bundesamt mehr als ein Viertel aller Gesundheitskosten zu Lasten ernährungsbedingter Krankheiten. Insofern haben wir kein Verständnis für die im Koalitionsvertrag vereinbarte Absicht, Gentechnik, speziell die Agro-Gentechnik, fördern zu wollen. Denn mit ihr können Gefahren einer schleichenden Vergiftung von Landwirtschaft und Nahrung und damit auch von Tier und Mensch verbunden sein, wie die folgenden Ausführungen zeigen.

Dabei wird überdeutlich, dass weder auf die übliche Kurzzeitfütterung im Tierversuch Verlass ist noch auf eine interessengeleitete Auftrags- oder Industrieforschung, sondern letztlich vor allem auf Langzeitbeobachtungen von Nebenwirkungen der Agro-Gentechnik. Das soll zunächst ein Beispiel aus Deutschland verdeutlichen:

Der Diplomlandwirt und CDU-Ratsherr Gottfried Glöckner, vom „Weidenhof“ im hessischen Wölfersheim, bestellte bereits 1997 als einer der ersten Landwirte in Deutschland seine Felder mit gentechnisch verändertem „BT-Mais 176“ des Schweizer Saatgut/Chemiekonzerns Syngenta. Den verfütterte er an seine Milchkühe. BT-Mais (BT=Bacillus thuringiensis) veranlasst die komplette Maispflanze, während ihrer gesamten Lebensdauer ein Gift zu produzieren, das sie gegen den Maiszünsler schützen soll. Die „Killerpflanze“ zerstört den Magen-Darm-Trakt von Insekten, aber nicht nur den.

Eine staatliche Untersuchungsanstalt stellte im Auftrag von Glöckner fest, dass der Frischmais pro Kilogramm 8,3 ng Toxin enthält. Das Syngenta-Forschungszentrum in North Carolina/USA hatte in seinen Futterproben dagegen kein Bt-Toxin gefunden. Dennoch wurde das Gift überall gefunden, im Kot, im Urin, damit auch in der Gülle, im Blutkreislauf und in den Lymphknoten der Tiere. Wenn das Toxin einmal über den Boden, das Futter, die Gülle und den Mist in den Kreislauf gelangt, macht es selbst vor dem Menschen nicht Halt. Untersuchungen der Milch ergaben, dass auch in ihr Konstrukte des Toxins nachzuweisen waren, natürlich auch im Fleisch.

Nach zweieinhalb Jahren Fütterung nahm das Schicksal seinen Lauf: Die Kühe bekamen einen klebrig-grau-weißen Durchfall, Wasseransammlungen in den Gelenken, Ödeme in den Eutern, die Blutgefäße erweiterten sich. Blut war in der Milch und im Harn zu finden. Manche Kühe riegelten ihre Milchproduktion bei 20 Litern plötzlich ab und gaben keinen Tropfen mehr. Es kam zu Missbildungen der Kälber. Bei einer Kuh kam es zu einem Euterdurchbruch. Schließlich starben die ersten Tiere. Was den Landwirt stutzig machte: Die Kühe liefen im Sommer von der Weide in den Stall und verendeten in der Box. Die Ursache: Bis zum Jahr 2002 hatte Glöckner jedes Jahr Gülle auf die Grünflächen ausgebracht und die Weide so ebenfalls mit Bt-Toxinen kontaminiert. Das heißt, die Kühe wurden nicht nur durch die Fütterung des Bt-176 Maises belastet, sondern auch durch das frische Gras auf der Weide sowie siliertes Gras oder Heu.

Den Zulassungsantrag für den Bt-176-Mais hatte Syngenta selbst geschrieben, und so ging er auch unverändert durch. Der von der Genehmigungsbehörde des Robert-Koch-Instituts (RKI) durchgeführte Fütterungsversuch mit Bt-176-Mais über einen Zeitraum von 60 Tagen war aufgrund der kurzen Dauer wertlos. Denn Glöckners Kühe bekamen erst nach zweieinhalb Jahren Probleme. Trotz jahrelanger Rettungsversuche musste die 70-köpfige Herde schließlich geschlachtet werden. Seit 2003 steht der Stall leer. Glöckner musste seinen Glauben an den Fortschritt und die Wissenschaft teuer bezahlen. Bt-176-Mais wurde vom Markt genommen. Glöckner konvertierte vom Befürworter zum Kritiker der Agro-Gentechnik. (Manfred Ladwig vom SWR in: „Report Mainz“, 8. 12. 2003/Buchtitel „Gefahr Gentechnik“ von Manfred Grössler (Hrsg) 2005).

In Großbritannien war 1998 der Versuch des Forschers Arpad Pusztai, Ratten mit gentechnisch veränderten Kartoffeln zu füttern, Auslöser einer heftigen Debatte über GVO und deren riskante Nebenwirkungen. Bei den Versuchstieren kam es unter anderem zu entzündlichen Reaktionen im Magen-Darm-Trakt. Als Pusztai über dieses Ergebnis im Fernsehen berichtete, wurde er umgehend entlassen und von Politikern öffentlich diskreditiert.

 Landwirte aus Iowa (USA) berichteten, dass Schweine nach gv-Futter ihre Fertilität verloren haben.
 Fünf wissenschaftliche Studien in den USA haben gezeigt, dass in den „Corn Belt“ zwischen Kansas, Nebraska über Iowa bis zum Staat New York Schmetterlinge durch Gen-Mais bedroht sind. Die Larven des Monarchfalters haben ein erhöhtes Sterberisiko. Die Falter kommen nach der Verpuppung mit weniger Gewicht auf die Welt und zeigen eine reduzierte Fruchtbarkeit.
 Australische Forscher brachen 2005 ihre langjährigen Versuche mit gentechnisch veränderten Erbsen ab, die gegen Insekten resistent gemacht worden waren. Diese hatten bei den Versuchsmäusen Lungenentzündungen verursacht.
 Die Italienerin Manuela Malatesta von der Universität Urbino ließ Mäuse Gen-Soja fressen und stellte strukturelle Veränderungen in deren Leberzellen fest.
 Veränderungen an Niere und Blutbild von Ratten las die „Commission du Génie Biomoléculaire“ des französischen Landwirtschaftsministeriums aus einem Fütterungsversuch mit dem umstrittenen Mais des Typs MON 863 der Firma Monsanto. Auch die Testmethoden selbst sind fragwürdig weil lückenhaft. So wurden weder Daten zum Verdauungstrakt erhoben, noch ausreichend junge Ratten getestet, um Wachstumsunterschiede tatsächlich beobachten zu können. Hinzu kommt die zu kurze Dauer der Fütterung. Das alles hätte Monsanto gern verschwiegen. Die Mängel der Studie konnten nur überprüft und festgestellt werden, weil sie 2005 als Ergebnis eines Gerichtsurteils des Oberverwaltungsgerichts Münster offen gelegt werden mussten. Anlass war die Klage Monsantos gegen die Entscheidung des Bundesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit gewesen, das im April 2005 entschied, der Öffentlichkeit freien Zugang zur Studie zu gewähren. Das Gericht gab dem Bundesamt Recht.
Wie die Europaabgeordnete Hiltrud Breyer in ihrer Presseerklärung vom 13. Januar 2006 schreibt, ist „die endgültige Importzulassung des Gen-Mais MON 863 trotz alarmierender Risiken verheerend. Die Zulassung ist grob fahrlässig, da eindeutig die gesundheitliche Unbedenklichkeit für Mensch und Tier nicht gegeben ist“. MON 863 soll u. a. als Lebensmittel und Lebensmittelzusatz zugelassen werden. „Die EU-Kommission ignoriert die fehlende Zustimmung im Ministerrat und Warnungen von Wissenschaftlern“. Dabei dürfen in der EU nur solche gentechnisch veränderten Nahrungsmittel auf den Markt kommen, die für Verbraucher ebenso unbedenklich sind wie vergleichbare konventionelle Erzeugnisse. Auf eine Anfrage von Frau Breyer musste die Europäische Kommission einräumen, „nicht in der Lage zu sein, grundlegende Sicherheitsfragen beantworten zu können“. Wie auch im Falle Glöckner handelt es sich bei MON 863 ebenfalls um einen Bt-Mais, der ein Gift gegen den Maiswurzelbohrer produziert und außerdem ein umstrittenes Antibiotika-Resistenz-Gen enthält.
 MON 863 ist nur ein Beispiel für die unverantwortliche Praxis der Zulassung von GVO in Brüssel und Berlin. Im Oktober 2004 wurde ein weiteres Produkt von Monsanto, Gen-Mais NK 603, als Lebens- und Futtermittel in einer übereilten Entscheidung der EU-Kommission zugelassen. Auch hier fehlten Untersuchungen über die Langzeitfolgen für die menschliche Gesundheit, über toxische Effekte.

Unerwünschte Testresultate werden oft so lange uminterpretiert, bis sie nicht mehr stören oder sie werden in Mengen von Unterlagen – nicht selten über 1000 Seiten – versteckt. Eine beliebte Praxis ist, die bis an die Kapazitätsgrenze belasteten Gesundheitsbehörden mit einem kaum zu bewältigenden Pensum an Interpretationen von Testergebnissen einzudecken.

Es sind nicht immer nur die Gen-Pflanzen selbst, die gesundheitliche Schäden verursachen können, sondern die mit dem Anbau dieser Pflanzen zwingend vorgeschriebenen Spritzmittel, die entgegen dem ursprünglichen Versprechen der Anbieter wegen zunehmender Resistenzbildung der Unkräuter nun erhöht eingesetzt werden müssen. Wo könnte man Langzeitfolgen besser studieren als in Argentinien? Denn dort wird auf einer Fläche von mehr als 15 Millionen Hektar Soja angebaut und zwar fast ausschließlich Roundup Ready-Soja, das gegen das Unkrautvernichtungsmittel Glyphosat gentechnisch resistent gemacht worden ist.

Dort erleiden die Menschen in den Anbaugebieten und vor allem Landarbeiter massive gesundheitliche Schäden. Die US-Umweltschutzbehörde EPA nennt in ihrem Datenblatt detailliert die bei hoher Belastung zu erwartenden Gesundheitsschäden: auf kurze Sicht „Lungenstauungen und Beschleunigung der Atmung“, auf lange Sicht „Nierenschäden und Auswirkungen auf die Fortpflanzung“. (www.epa.gov/safewater/dwh/c-soc/glyphosa.html)

Der in Buenos Aires praktizierende Arzt Jorge Kaczewer wertet seit mehreren Jahren wissenschaftliche Arbeiten über die gesundheitsschädliche Wirkung von Glyphosat aus. Für seine Patienten hält er ein Informationsblatt über die Symptome einer Herbizidvergiftung bereit: „Haut- und Augenjucken, Übelkeit und Schwindelgefühl, Lungenödeme, sinkender Blutdruck, allergische Reaktion, Unterleibsschmerzen, massiver Flüssigkeitsverlust im Magen-Darm-Bereich, Erbrechen, Ohnmacht, Zerstörung der roten Blutkörperchen, anormale Elektrokardiogramme, Nierenschäden und Nierenversagen. Dieselben Symptome zeigen kolumbianische Bauern, die Opfer der Glyphosat-Ausbringung auf Kokaplantagen wurden. Dr. Kaczewer macht darauf aufmerksam, dass den Bauern Glyphosat nicht in Reinform verkauft wird: „Den handelsüblichen Produkten sind inerte Inhaltsstoffe zugesetzt, die dafür sorgen, dass der Wirkstoff von den Pflanzen besser aufgenommen wird.“ Auch diese Beigaben wirken sich u. U. negativ auf die Gesundheit aus. Die größte Sorge bereitet dem Mediziner aber ihre Beimischung mit Glyphosat: „Durch das Zusammenwirken der beiden Stoffe entwickeln sich ganz andere Symptome, die sich mit der jeweiligen Symptomatik der einzelnen Produkte nicht erklären lassen.“ (LE MONDE diplomatique, April 2006).

„Vor diesem Hintergrund wird deutlich, dass die weitere Verwendung von Futter- und Lebensmitteln mit gentechnisch veränderten Bestandteilen ein unkontrollierter Großversuch an allen Tieren und Menschen ist, die diese verzehren“, urteilt die Ärztin Angela von Beesten. (Sprecherin des AK Gentechnik im Ökologischen Ärztebund, in: „Gentechnik auf dem Acker und auf dem Teller – eine kritische Betrachtung“, in: Sambucus (Hg.), Vahlde 2004).

Ohnehin haben transgene Pflanzen und Nahrungsmittel mit solchen Inhaltsstoffen keinerlei Nutzen für VerbraucherInnen, da sie annähernd ausnahmslos herbizid-resistent oder insektenresistent sind.

Sehr geehrter Herr Seehofer, uns ist nicht bekannt, wen Sie zu den „ernst zu nehmenden Wissenschaftlern“ zählen, können es allerdings anhand von Stellungnahmen zum Gespräch am 20.04. 2006 mit Ihnen, „Grüne Gentechnik verantwortlich nutzen“, erahnen. Ausgerechnet bei einer Frage, die selbst der „dümmste Bauer“ anders beantworten würde, beziehen Sie sich auf „ernst zu nehmende Wissenschaftler“. Dabei geht es um die so genannte Koexistenz beider Anbausysteme (mit und ohne Gentechnik). Ist es Unwissenheit oder, was schwerer wiegt, eine vorsätzliche Irreführung der Öffentlichkeit, glauben zu machen, durch eine Abstandsregelung, die wenige Meter Abstand zwischen Kulturen mit oder ohne Gentechnik vorsieht, einen horizontalen Gentransfer verhindern zu können? Die Idee der Koexistenz ist eine reine Erfindung der EU-Kommission. Denn der Wind weht, wo er will und damit auch die Pollen und zwar bis weit über einhundert Kilometer.

Als Folge des horizontalen Gentransfers würden nach und nach Gen-Pflanzen alle unsere landwirtschaftlichen Kulturpflanzen durchdringen. Wind, Pollen und auch Bienen kennen keine Grenzen. Welche Folgen das in Deutschland haben kann, wenn nicht gänzlich auf Agro-Gentechnik verzichtet wird, kann in Kanada und den USA studiert werden. Dort ist wegen gentechnischer Kontaminierung der Ökoanbau fast gänzlich zum Erliegen gekommen.

Wie wissenschaftlich ist die Wissenschaft? Eine sicher wichtige Entscheidungshilfe für Sie und Ihre Mitarbeiter mag eine der drei Stellungnahmen sein, die uns vorliegen: das Memorandum der „Union der Deutschen Akademien der Wissenschaften“. In diesem Papier behaupten allen Ernstes die Unterzeichner: „...Nach diesen Befunden ist der Verzehr von GV-Maisprodukten grundsätzlich gesünder als der Verzehr von herkömmlichen Maisprodukten.“ Oder: Nach Abwägung der vorangegangenen Erörterungen erscheint es äußerst unwahrscheinlich, dass beim Verzehr der in der Europäischen Union zugelassenen GVO-Nahrungsmittel ein höheres Gesundheitsrisiko besteht als beim Verzehr herkömmlicher Nahrungsmittel. Im Gegenteil: die GVO-Produkte sind umfassend geprüft, sind als sicher eingestuft worden und unterliegen strengen gesetzlichen Regelungen.“ Das sind Worte mit Gewicht von einer Institution mit Reputation.

Hinterfragt man die Forschungsinteressen der Absender des Memorandums, wird klar, warum sie ihr unhaltbares Votum pro Agro-Gentechnik abgeben: Immer dabei ist Prof. Klaus-Dieter Jany von der Forschungsanstalt für Ernährung in Karlsruhe, der bereits vor zehn Jahren sich Monsanto angedient hat. Ein Auftrag von Monsanto mag ihn für eine werbliche Pauschalaussage geneigt gemacht haben: Die Dokumentation „Roundup Ready Sojabohne“, ein Begleitmedium zur Roundup-Sojaeinfuhr mit sogenannten wissenschaftlichen Studien, wurde von Jany und Gabriele E. Sachse von der Frankfurter „BioAliance“ (PR-Büro) zusammengefasst und autorisiert. Jany, der außerdem als deutscher Experte für Lebenssicherheit bei der WHO und OECD tätig war, versicherte, dass aus heutiger Sicht die Sojabohnen und alle daraus gewonnenen Produkte gesundheitlich unbedenklich sind. „Mit Gentechnik“ habe etwa den Aussagewert der Kennzeichnung eines Autos „Mit Kraftstoff“ – ein rein verfahrenstechnischer Hinweis, so Jany. (FAZ 19. 9. 1996)

Ein weiterer Unterzeichner des Memorandums ist Prof. Heinz Saedler vom Max-Planck-Institut für Züchtungsforschung in Köln, ein wichtiger Kooperationspartner der Bayer AG. Bekannt wurde Saedler 1989 durch seinen fehlgeschlagenen Freisetzungsversuch von Petunien in Köln.

Prof. Uwe Sonnewald betreibt ein Joint Venture mit BASF, eine Pflanzen-Biotech-Firma als Ausgründung am Institut für Pflanzengenetik und Kulturpflanzenforschung in Gatersleben. Prof. Alfred Pühler von der Universität in Bielefeld ist Inhaber eines Lehrstuhls für Genetik. Auch die Professoren von der Universität, Hans-Walter Heldt und Ivo Feußner wie auch Prof. Wilfried Wackernagel von der Universität Oldenburg, vertreten einschlägige Interessen. Wenn diese Professoren behaupten: „Die Ungefährlichkeit von GVO-Produkten wurde in umfangreichen Fütterungsversuchen mit Hunderten von Tieren bestätigt...“, dann blenden sie die zahlreichen Fälle aus, die das Gegenteil zeigen.

Unter Verzicht eines Nachweises behaupten die Wissenschaftler außerdem, „dass seit 1996 vor allem in der Neuen Welt Hunderte von Millionen Menschen Produkte aus GVO verzehrt haben, ohne dass dabei über wissenschaftlich belegte Schäden berichtet wurde“. Diese Feststellung ist insofern zynisch, als es diese Belege aus folgendem Grund auch nicht geben kann: In Nord- und Lateinamerika gibt es weder eine Kennzeichnung für Genfood noch irgendwelche Begleitstudien.

Wenn Sie, Herr Seehofer, meinen, „Beispiele aus der ganzen Welt zeigen, dass Gentechnik wirtschaftliche Chancen eröffnet“, trifft das sicher für die großen Saatgut-/Chemiekonzerne zu, und zwar nur für diese und ihre Aktionäre. Chemieunternehmen sind andererseits die großen Arbeitsplatzvernichter. Vernichtend sind auch die Entwicklungen in den Ländern mit einem hohen Anteil an Gen-Pflanzen-Anbau wie etwa in Argentinien. Dort wurden in den letzten Jahren 25 Prozent aller landwirtschaftlichen Betriebe vernichtet und damit auch Arbeitsplätze. Mit 75 Mitarbeitern und einem 10 Millionen-Dollar-Etat ermittelt Monsanto jährlich gegen 500 Farmer und treibt sie oft in den Bankrott. Will die Politik das?

Obwohl das Deutsche Grundgesetz allen Bürgerinnen und Bürgern körperliche Unversehrtheit verspricht, stehen in Zukunft mit dem Essen aus dem Genlabor elementare Überlebensinteressen auf dem Spiel. VerbraucherInnen haben sich entschieden, sie wollen Biogemüse statt Biotechnologie. Auf dem Spiel steht außerdem ein wichtiges Verkaufsargument der EU-Agrarwirtschaft im Binnenmarkt wie im Export auf den Weltmärkten von EU-Agrarprodukten: „garantiert gentechnik-frei.“ Wollen Sie das? Eine Kostenbeteiligung seitens der Industrie für einen Schadensregulierungs-Fond wird es ebenso wenig geben wie eine Versicherung, die so leichtsinnig ist, die Risiken der Gentechnik zu versichern. Darum fordern wir die Bundesregierung dringend auf, in Zukunft auf eine Förderung der Agro-Gentechnik zu verzichten und die Verursacher von bisher entstandenen Schäden neu zur Schadensregulierung zu verpflichten.

Mit freundlichem Gruß
Gesellschaft für Gesundheitsberatung GGB

Ilse Gutjahr-Jung Dr. med. Jürgen Birmanns Dr. Mathias Jung
1. Vorsitzende 2. Vorsitzender Beisitzer
und Geschäftsführerin

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